Vom Helfer zum Chefcutter I | Backstage

Moin! Für die, die mich (noch) nicht kennen, sollte ich wohl erstmal ne kleine Beschreibung zu mir geben. Ich bin Falk, im Kliemannsland auch bekannt als „der Cutter“. Ich komme ursprünglich aus Hannover. Auch wenn es seltsam klingt, bin ich zuerst im Kliemannsland gewesen und habe dann meinen jetzigen Job beim Cineteam bekommen, die ihren Firmensitz in auch Hannover haben. Dazu erzähle ich euch dann später noch mehr.

Jetzt einmal ganz von vorne

Ich hol mal weit aus: Es war Juli 2016 und ich hatte gerade eine dreijährige Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton erfolgreich hinter mich gebracht (puuh, das war ne lange Zeit, aber ich habe viel erleben dürfen was Sport- und Liveproduktionen angeht, ich empfehle euch auf jeden Fall eine Ausbildung in dem Bereich zu machen, der euch Spaß macht). Naja nun stand ich dann da mit meinem Abschluss und hatte… nichts. Ich wurde nicht übernommen und Bewerbungen kamen alle nur mit einer Absage zurück. Und so war ich gezwungen, mich arbeitssuchend zu melden.

Während dieser Zeit hab ich versucht, irgendwo Fuß zu fassen und habe auch für verschiedene Firmen kleine Produktvideos angefertigt. Das war alles ganz „kuhl“ (ja ich schreib das so, lasst mich :D), aber es hatte niemand die Möglichkeit für den Video- / Werbebereich einen extra Cutter anzustellen. Und so blieb es dabei, wie gehabt, dass ich auf der Suche war. Am 30.08. 2016 ging dann der erste Teaser vom Kliemannsland online.

Ich war vorher schon fleißiger Fynn Kliemann-Gucker und bin 2015 durch den seltsamen Vorschlagsalgorythmus YouTubes auf das Mauerbau-Video gestoßen und seitdem drangeblieben. Dass ich selber irgendwann mal auf der anderen Seite dieser Kamera stehen würde, hätte ich nie gedacht. Aber nun ist es so. Ich lass es mir heute noch oft durch den Kopf gehen und kann manchmal immer noch nicht so richtig fassen, was ich eigentlich erreicht habe.

Zurück zum Teaser: 30.08. ging das Ding online und ich wusste nicht so recht, was das werden sollte, bis dann am 04.09. das Q&A live aus dem Kliemannsland auf YouTube lief. Ich sah Fynn und nen seltsamen Typen, der in einer Schubkarre neben im saß und Stroh professionell mit Gaffa an seine Laptop-Rückseite geklebt hatte?!

Beide haben erzählt, was so das grobe Ziel des Ganzen ist und wie das alles umgesetzt werden soll. Und ich dachte mir währenddessen nur: Ich will dahin. Ich hatte auch direkt eine Email mit Ideen, die ich so hatte, an Frau Poppinga geschrieben, aber die ging zu der Zeit in der Mailflut wohl unter. Gegen Mitte September kam dann eine Ausschreibung auf ein Praktikum im Kliemannsland und ich war mir total unsicher, ob ich mich darauf bewerben soll oder nicht, bis mir meine Freundin dann gesagt hat: „Du machst das jetzt!“. Und so habe ich am selben Abend noch eine Bewerbung geschrieben und ein Bewerbungsvideo aufgenommen und geschnitten.

Es hat nicht lange gedauert, bis darauf eine Rückmeldung kam, die dann wie folgt aussah:

Hey Falk,

geil, dass du geschrieben hast. Mega gute Bewerbung. Die beste bisher. Ich habe noch keinen Termin für dich, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass du die Tage einen Termin zum Kennenlernen von uns kriegen wirst, wenn du Bock hast 🙂

Hochachtungsvoll

i.A. H. Poppinga

Wooow, dachte ich mir nur… ich werde Fynn Kliemann und den anderen Typen kennenlernen. Ich musste mich bei der Agentur für Arbeit melden, um denen zu sagen, dass ich vielleicht einen Job in Aussicht habe, aber die Frau hat mich nicht so richtig verstanden… Sie dachte, ich fahre auf den Hof, um Spaß zu haben. Naja, hab ich auch, allerdings war es ja trotzdem ein Job, der in Aussicht war. Sie wollte es nicht einsehen und meinte nur, wenn ich dahin fahre, müsse ich dafür Urlaub einreichen… Hab ich dann aber nicht gemacht…

Eine Woche später hatte ich noch keinen Termin bekommen und so hakte ich mal nach und dann hieß es, dass es wohl noch jemand Passenderes für die Stelle gibt und ich leider nicht direkt im Kliemannsland helfen kann, mich aber der Tim vom Cineteam anrufen wird, weil die mich angeblich gut gebrauchen könnten. Ich wollte aber eigentlich gar nicht in Hannover arbeiten, sondern im Kliemannsland. Ich wurde tatsächlich wenige Tage später angerufen, zwar nicht von Tim, sondern von Sven, aber es ging aufs Selbe hinaus, ein Bewerbungsgespräch beim Cineteam Hannover. Leider (oder auch nicht) konnte ich da nicht direkt ein Praktikum anfangen, da der erste Kameramann das mitentscheiden sollte, aber zwei Wochen im Urlaub war.

Also hieß es für mich zwei Wochen warten. Zwei Wochen nichts tun war aber auch doof, also bot ich Frau Poppinga an meinen Rechner einzupacken und ins Kliemannsland zu kommen, um bei grafischem Schnickschnack zu helfen. Nach dieser Mail meldete sich dann nicht mehr Fau Poppinga, sondern Hauke Gerdes, der Typ mit Stroh am Laptop. Ich wurde direkt für die darauffolgende Woche ins Kliemannsland eingeladen:

Hey Falk,

also wir hätten nen Schlafplatz. Ist eher ein Gruppenschlafraum. Wenn du Bock hast, komm gern mal am Montag rum und man lernt sich kennen. Dann schaut man, ob das passt und Ian dich hier haben will. Der pennt hier nämlich und macht Schnitt und Co. Hast du Bock? Dann komm mal von Montag auf Dienstag erstmal und danach schaun wa weiter 🙂

Mit Grüßen ausm Kliemannsland

Hauke Gerdes @DerHauge

Kanzler und Allrounder

Also ab ins Kliemannsland

Es war Montag und ich hatte eine Woche, um alles zu planen. Mein größtes Problem war allerdings, dass ich kein Auto besaß. Das von meinem Pa konnte ich nicht nehmen, da er es selber brauchte. Und zwischen Daheim und dem Kliemannsland sind es 150 km. Also mit Paps zusammen hingesetzt, die Autohändler in der Gegend abgeklappert und nach einem günstigen Wagen gesucht, gefunden, Papierkram erledigt und Sachen gepackt. Und so ging es für mich am 03. Oktober ins Kliemannsland.

Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet und wer sich da alles so rumtrieb. Ich wusste nur, dass ich Ian überzeugen muss mich dazubehalten. Ian war auch, kurz bevor ich ins Kliemannsland kam, dorthin gezogen und hatte diverse Schnittarbeiten und Datenorganisation übernommen. Er war also quasi der Herr über die Videos. Den Sonntag, bevor ich gefahren bin kam das Werkzeugklappen-Video raus und ich wusste nicht, wo ich sonst klingeln sollte, also drückte ich diesen seltsamen weißen Knopf und hörte, wie oben die Sirene losging und Ian zum Fenster gestürmt kam. Als ich nach oben schaute, sah ich dass er eine GoPro extra so montiert hatte, dass man alle Personen sieht, die den Knopf drückten.



Ian grüßte mich und fragte, wer ich sei. Kurz darauf kamen auch Hauke und Jana ans Fenster und hießen mich willkommen. Hauke und Ian mussten noch kurz was besprechen und so kam Jana runter, um mir den Hof zu zeigen. Ich wusste nicht, wer sie ist und was ihre Aufgabe ist, aber sie erzählte mir alles, während sie mich herumführte. Ich war überrascht, was sie alles für Aufgaben übernimmt und dachte dann direkt: „Du hast also das Praktikum bekommen.“

Später stellte sich heraus, dass das gar nicht so war. Jana war sehr herzlich und half mir nach dem Rundgang auch mein Zeug auszuladen. Was nicht gerade wenig war. Zwei Kisten mit Rechner und Monitoren, eine Tasche, eine USV, eine Kiste mit Kleinkram, Bettzeug,… Wir trugen erst einmal alles nach oben und stellten es in den Flur. Denn wie sich relativ schnell herausstellte, gab es keinen weiteren Schreibtisch und so bastelte ich mit Jana fix aus ner Palette und einer Platte einen provisorischen Schreibtisch. Wie das im Kliemannsland so ist, war die Kamera natürlich nicht weit entfernt und so hatte ich meinen ersten Auftritt vor der Kamera (3:58):

Zuerst hieß es, dass ich ja mal von Dienstag auf Mittwoch bleiben kann, schnell wurde klar, dass ich Donnerstag auch noch bleibe und Freitag auch noch. Freitag bin ich dann wieder nach Hause gefahren, wurde aber von Hauke gefragt, ob ich nicht Montag dann schon wiederkommen kann und so war ich die Woche darauf auch wieder da. Ich durfte die Erste-Hilfe-Videos schneiden und das Projekt mit Malternativ und Maxim, was allerdings mangels fehlender Moderation von Fynn nie online ging.

Ich schlief die Tage über im Mädchenzimmer, was damals noch ein Raum mit drei Paletten, auf denen eine Matratze lag war. Nebenbei wurde im Studio fleißig gewerkelt und ich wurde auch da mit eingespannt und sollte beim Kabelschlitzen-Ziehen helfen. Das ist alles im Studiobau-Video zu sehen. Die Wochen vergingen und es wurde immer klarer, dass ich wohl im Kliemannsland bleiben sollte. Hauke klärte mit dem Cineteam ab, dass ich im Kliemannsland arbeiten konnte und so bekam ich über Umwege den Job als Cutter im Kliemannsland und wurde damit beim Cineteam angestellt.

Der erste Tag als Angestellter beim Kliemannsland

Ich zog also Mitte Oktober 2016 offiziell ins Kliemannsland. Der Tag hätte nicht verrückter sein können. Ich kannte alle vom Kliemannsland schon eine Weile und auch Nana (die, die wirklich die Stelle für das Praktikum bekommen hatte) war auch schon eingezogen. Ich kam zusammen mit Luke (Azubi vom Cineteam, der zu der Zeit öfter da war, um im Schnitt zu helfen) an und wir richteten uns erstmal unser Zimmer ein. Das kleinste Zimmerchen, was als Schlafraum dienen konnte, gehörte nun uns zwei und wir lagen wie in einer Jugendherberge Bett an Bett. Wir haben alles so schick gemacht, dass zumindest wir uns wohlfühlten und begannen mit der Schnittarbeit.

Auf einmal kam Ian rein und meinte, dass er einen Facebook-Livestream machen will und wir uns jeder eine Kamera schnappen sollen, um alles aus jeder Perspektive mitzubekommen – klingt verrückt, war es auch. Und plötzlich fing Ian an, den Webvideopreis von den Rocketbeans vor Haukes Augen zu zersägen… Wir dachten alle nur: „Waaaas!?“. Und als ob das nicht schon verrückt genug gewesen wäre, kamen auf einmal zwei Typen mit nem Pferdekostüm dahergelaufen – wie sich später herausstellte: alles nur ein Ablenkungsmanöver.

Wie gesagt, verrückter hätte der Tag nicht sein können…

Der Schnitt und das Drumherum

Ich lernte Ian genauer kennen und was es eigentlich wirklich heißt Cutter zu sein – zumindest Cutter im Kliemannsland. Ich war auch schon mal beim NDR in Hannover und durfte da einer Kollegin beim Schneiden zusehen, aber das kann man Null mit dem Schnitt im Kliemannsland vergleichen. Es heißt sich durch 6-9 stündiges Material aus 2-6 Kameras zu wühlen und aus einem Haufen Wirr-Warr eine Story zu formen und rundzumachen, sodass jedes Kind die Geschichte verstehen kann. Man schiebt Clips hin und her.

Ich gehe noch genauer auf den Schnitt ein, allerdings möchte ich jetzt keinen ewig langen Beitrag haben, deswegen würde ich sagen splitten wir den Beitrag vielleicht in zwei Teile und nächstes Mal erzähl ich Euch noch mehr über den Schnitt, das Leben auf dem Hof, das Team und alles was noch so nebenbei passiert.

Alsooo bis nächstes Mal!